Walter Ulbricht: Leben, DDR und Berliner Mauer

Ingmar Rosenwald
8 Min Read

Walter Ulbricht war einer der mächtigsten Politiker der DDR. Über viele Jahre bestimmte er den politischen Kurs des Landes und prägte den Aufbau des sozialistischen Systems unter Führung der SED.

Besonders bekannt ist Walter Ulbricht heute wegen seiner Rolle beim Bau der Berliner Mauer. Auch sein Satz „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten“ ist bis heute eng mit seinem Namen verbunden.

Wer war Walter Ulbricht?

Walter Ernst Paul Ulbricht wurde am 30. Juni 1893 in Leipzig geboren. Er war zunächst gelernter Tischler und wurde später Berufspolitiker. Seine Eltern waren politisch in der Sozialdemokratie aktiv.

Ulbricht gehörte zunächst der SPD und später der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) an. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er zu einer der wichtigsten Personen beim Aufbau der späteren DDR.

InformationAngabe
NameWalter Ernst Paul Ulbricht
Geburtsdatum30. Juni 1893
GeburtsortLeipzig
BerufPolitiker, zuvor Tischler
ParteiKPD, später SED
EhefrauLotte Ulbricht
SED-Chef1950 bis 1971
Staatsratsvorsitzender1960 bis 1973
Tod1. August 1973

Eine ausführliche Chronik seines Lebens bietet das Deutsche Historische Museum.

Walter Ulbricht: Jugend und politischer Aufstieg

Kindheit und Ausbildung

Ulbricht wuchs in Leipzig auf und absolvierte eine Ausbildung zum Tischler. Bereits als Jugendlicher beschäftigte er sich mit sozialistischen Ideen. 1908 trat er der Sozialistischen Arbeiterjugend bei, 1912 wurde er Mitglied der SPD.

Während des Ersten Weltkriegs diente Walter Ulbricht als Soldat. Nach dem Krieg schloss er sich der kommunistischen Bewegung an und wurde Mitglied der KPD.

Karriere in der KPD

In den 1920er-Jahren stieg Ulbricht innerhalb der KPD immer weiter auf. Von 1928 bis 1933 war er Mitglied des Reichstags.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten musste er Deutschland verlassen. Er lebte zeitweise in Frankreich und ab 1937 in der Sowjetunion. Dort gehörte er zur Führung der deutschen Kommunisten im Exil.

Walter Ulbricht und die Gruppe Ulbricht

Kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs bereitete die sowjetische Führung deutsche Kommunisten auf politische Aufgaben im besetzten Deutschland vor.

1945 kehrte Walter Ulbricht mit einer Gruppe deutscher Kommunisten aus Moskau zurück. Diese Gruppe wurde später als „Gruppe Ulbricht“ bekannt.

Ihre Mitglieder halfen beim Aufbau von Verwaltungen und politischen Strukturen in der sowjetischen Besatzungszone. Ulbricht spielte anschließend eine zentrale Rolle beim Wiederaufbau der KPD und beim Aufbau der SED.

4. Walter Ulbricht als mächtigster Politiker der DDR

Welche Rolle hatte Walter Ulbricht in der DDR?

Nach der Gründung der DDR im Jahr 1949 wuchs Ulbrichts Macht schnell. Im Juli 1950 wurde er Generalsekretär des Zentralkomitees der SED. Ab 1953 trug das Amt die Bezeichnung Erster Sekretär.

1960 wurde Walter Ulbricht außerdem Vorsitzender des Staatsrates. Damit gehörten die wichtigsten politischen Machtpositionen der DDR zu seinem Einflussbereich. Die Bundeszentrale für politische Bildung beschreibt ihn als die zentrale Figur an der Spitze des politischen Systems.

Walter Ulbricht und der 17. Juni 1953

Am 17. Juni 1953 kam es in Ost-Berlin und vielen weiteren Orten der DDR zu Protesten. Auslöser waren unter anderem höhere Arbeitsnormen, wirtschaftliche Probleme und Unzufriedenheit mit der politischen Führung.

Die Proteste entwickelten sich zu einem Volksaufstand gegen das SED-Regime. Sowjetische Truppen und DDR-Sicherheitsorgane schlugen den Aufstand nieder. Ulbricht überstand die politische Krise und konnte seine Stellung danach weiter festigen.

Walter Ulbricht und die Berliner Mauer

Warum wurde die Berliner Mauer gebaut?

Bis 1961 verließen viele Menschen die DDR über Berlin. Für die DDR-Führung stellte diese Fluchtbewegung ein großes politisches und wirtschaftliches Problem dar.

Die DDR-Führung unter Ulbricht drängte deshalb auf eine Abriegelung der Grenze. Für eine solche Maßnahme war jedoch die Zustimmung der Sowjetunion entscheidend.

Am 13. August 1961 begann die DDR, die Grenze zu West-Berlin abzuriegeln. Daraus entstand die Berliner Mauer.

„Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten“

Besonders bekannt wurde eine Aussage Walter Ulbrichts vom 15. Juni 1961. Auf einer internationalen Pressekonferenz erklärte er:

„Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.“

Weniger als zwei Monate später begann die Abriegelung West-Berlins. Die Aussage wurde deshalb zu einem der bekanntesten politischen Zitate der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Walter Ulbrichts Wirtschaftspolitik

Ulbricht wollte die DDR zu einem leistungsfähigen sozialistischen Industriestaat entwickeln. Die Wirtschaft blieb grundsätzlich staatlich geplant.

1963 führte die DDR unter seiner Führung das Neue Ökonomische System der Planung und Leitung, kurz NÖS, ein. Betriebe sollten mehr Verantwortung erhalten und wirtschaftlicher arbeiten.

Ziel war es, die Produktivität zu erhöhen und die Planwirtschaft flexibler zu machen. Die grundlegende staatliche Kontrolle über die Wirtschaft blieb jedoch bestehen. Die Reformen erreichten nicht alle gewünschten Ergebnisse.

Walter Ulbrichts Entmachtung und Tod

Warum wurde Walter Ulbricht von Erich Honecker abgelöst?

Ende der 1960er-Jahre entstanden zunehmend Konflikte innerhalb der SED-Führung. Streit gab es unter anderem über die Wirtschaftspolitik, die Beziehungen zur Bundesrepublik und Ulbrichts politischen Kurs.

Auch die sowjetische Führung unterstützte ihn nicht mehr uneingeschränkt. Erich Honecker gewann innerhalb der SED an Einfluss.

Am 3. Mai 1971 musste Ulbricht sein Amt als Erster Sekretär abgeben. Honecker wurde sein Nachfolger. Ulbricht blieb zwar Vorsitzender des Staatsrates, besaß aber kaum noch politischen Einfluss.

Walter Ulbricht privat und sein Tod

Walter Ulbricht war mit Lotte Ulbricht, geborene Kühn, verheiratet. Sie war ebenfalls Kommunistin und arbeitete zeitweise als seine persönliche Mitarbeiterin.

Walter Ulbricht starb am 1. August 1973 in Ost-Berlin im Alter von 80 Jahren. Historisch gilt er als eine zentrale Figur beim Aufbau der SED-Diktatur und als einer der wichtigsten Verantwortlichen für die politische Entwicklung der DDR bis 1971.

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Häufige Fragen zu Walter Ulbricht

Wer war Walter Ulbricht?

Walter Ulbricht war ein deutscher kommunistischer Politiker und langjähriger Führer der SED. Von den frühen 1950er-Jahren bis 1971 war er die bestimmende politische Persönlichkeit der DDR.

Wann wurde Walter Ulbricht geboren?

Walter Ulbricht wurde am 30. Juni 1893 in Leipzig geboren. Er stammte aus einer politisch sozialdemokratisch geprägten Familie.

Was sagte Walter Ulbricht über die Berliner Mauer?

Am 15. Juni 1961 sagte Ulbricht auf einer Pressekonferenz: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.“ Am 13. August 1961 begann die Abriegelung der Grenze zu West-Berlin.

Warum wurde Walter Ulbricht abgelöst?

Ulbricht verlor wegen politischer Konflikte innerhalb der SED und wegen fehlender Unterstützung aus Moskau an Macht. Am 3. Mai 1971 übernahm Erich Honecker die Parteiführung.

Wann ist Walter Ulbricht gestorben?

Walter Ulbricht starb am 1. August 1973 in Ost-Berlin. Er wurde 80 Jahre alt.

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